08.08.08- 19.55 Uhr war alles vorbei. Peng. 25 Minuten Mathetest erscheinen einem wie eine halbe Unendlichkeit – manchmal sogar doppelt – und dann sind sie wieder ein Fingerschnipp. Relativitätstheorie? Egal.
13.40 war die Band vollzählig. Nebst Caro mit T-Shirts und der Königinmutter, die die Kutsche steuerte und nervöser war, als alle anderen zusammen. Als Beruhigungsmittel bekam sie ein T-Shirt, das erste sogar. Auch Tine im Raum, die sich mittlerweile zu einer Art Bandmaskottchen mausert, weil sie kräftig mit anpacken mag. Auch bei ihr mehr Nervosität als beim Rest. Freude pur. Endlich. Heute. Drei Wochen straffes Üben nach Feierabend, in denen Doktor-Alexander-Krishna-Hans-Peter-Christian-Gustav-und-was-noch-immer-Weber mal wieder über sich hinaus wuchs und uns mit seinem trockenen Humor das dunkle Königreich erheiterte.
Bis zur Zitadelle ging es ungefähr so weiter wie LKW-abholen-von-gegenüber-und-dabei-dreimal-hin-und-herlaufen-Caro-fährt-tanken-und-zieht-trotz-Vorwarnung-goldenes-Unikatshirt-an-verliert-portemonnaie-das-aber-zuhause-liegt-LKW-einladen-losfahren-reinfahren-bis-vor-die-Tür.
Da waren wir. Garderobe, Catering, Location selber: Sehr fein. Bühne? Hui. Ja, gut, war mit zu rechnen, sieht aber trotzdem “in echt” geil aus. Die Gastgeberin hört man bereits im Soundcheck. Die Zitadelle sollte heute also Teil des Königreiches werden, friedlich-laute Annektierung quasi. Ja, nun gut! Und dann auf dem Weg zum Aufbau und Soundcheck kommt dann die Regentin des Abends. Mit ihrer Schwester, die wie bei Hofe üblich im Hintergrund die Fäden zieht. Erfrischend. Ich ersuche hiermit offiziell nach schriftlicher Festlegung, in 25 Jahren immer noch so begeisterungsfähig und frisch zu bleiben. (abgehakt). Wie bei Hofe ziehmlich, standen die Könige in gebührendem Abstand und zeigten mimisch ihr Gefallen an der Gesamtsituation. Auf der Bühne Profis. Kabel hier, Monitor dort, Mikro hier, Amp dort. Der beste Trommler war kurz verdutzt, als die Stimme des Technikers weiblich war, aber ab ging es mit dem Soundcheck. Trommeln durch, Bass und Alex. Dann “die zweite Gitarre bitte”. Das war ich. Lacher. Aber gut, nachdem die männliche Elite im Raum mich zweiköpfig verwundert anflirtete, war die Situation dazu verdammt, so zu enden. Ich bediene sie, ich spiel sie nicht; Open Tunes sei Dank. Dann nach ein paar schrammeligen Downstrokes wundert sich die zweite Gitarre über die Stimme, die sie klar und deutlich über den Monitor hört. Klasse, also immer noch keinen Grund, Hummeln im Magen zu füttern. Die schlafen.
Alles läuft wunderbar entspannt, so dass man ganz gemächlich zum Damenklo schlendern kann und flugs beschließt, künftig pinkelnde Prinzen zu erschrecken. Wie durch wunderbare Fügung gelangt ein Spiegel in die Garderobe, so dass die Montur ganz fix sitzt und da lupft sich Nena durch den Vorhang und wünscht strahlend alles Gute. Backyard20 spielen dann noch fünf Minuten, als wir uns gurtgezurrt backstage einfinden. Da wachen die Hummeln auf. Was solls? Wolltest es ja nicht anders. Ein Zauberspruch. Dann stehen wir da. Mit dem Schild einer Gibson gewappnet grüßt es sich sicher und erfreut. Gegen ein Doppelkinn habe ich meinen Kaugummi (wegen zahlreicher Nachfragen: Der hält den Mund eine gute Zeit “untrocken”) und für rosige Wangen grinse ich im Kreis. Al (ja, der!) spielt an, Alex spielt auf und dann auch schon die “zweite Gitarre”. Pepe und “Berlin” ist soweit fertig zum Servieren.
Leute, wenn es sich lohnt, in den tiefen Kellern der Musik zu ringen und weinen, dann für das! Catharina, No Clue, We’re Not In Love und You. Finale mit brachial-Sound mit dem bandinternen Lacher des Abends.
19.55 war alles vorbei. Peng. 25 Minuten Mathetest erscheinen einem wie eine halbe Unendlichkeit – manchmal sogar doppelt – und dann sind sie wieder ein Fingerschnipp. Die Gastgeberin steht schon dort und hüpft sich bemerkenswert leicht warm. In ihrem Reich scheint ein milderes Klima zu herrschen ;o)…
Wir grinsen immer noch. Positive Gemütsbekundungen, physisch und psychisch. Zigarette! Puah!
Wir tänzeln auf der Stelle. Sacken lassen. Unser Hab und Gut steht backstage auf Warteschleife. Wir stellen uns dazwischen und schnuppern noch etwas Bühnenluft, während hinter dem Vorhang vor uns Nena mit Band volle Pulle Gas geben.
22.00 Pünktlich tritt Ruhe ein. So will es das Volk. Sagt jedenfalls dessen Senat, und verhängt satte 50.000 Euronen Lärmvergeltung bei Nichtachtung. Die Zitadelle leert sich und der Rückbau beginnt. Tetris rückwärts. Als mein Mund lautlos die Worte “Bier” formt, löst Zauberfee Larissa das Fragezeichen in meinem Gesicht auf und schickt mich in die heiligen Hallen des anderen Backstageflügels. Dass wir wirklich Willkommen sind, zeigt prompt die Gastgeberin des Abends, während mir Al ein Biobier reicht. Uns wird gratuliert. Wow. Na, dann will ich schweigen und ausnahmsweise nicht widersprechen. Ein Gast respektiert die Hoheit einer generösen Gastgeberin. Und genießt. Ausgelassen wird parliert, warum Spandau bei Berlin liegt, obwohl es städterechtlich dazu gehört, über Heim- und Fernweh, das köstliche Buffet ignoriert, weil immer noch nichts reinpasst, um die Hummeln verdient ruhen zu lassen, über die Irrungen und Wirrungen von Dämm-Matten und sich schließende Kreise philosophiert und mit weisen Ladies über Kinder und ihre Träume geplaudert. Außenministerqaulitäten auf der einen Seite und rohe, männliche Kraft auf der anderen. Doch auch die Könige treffen dann doch noch ein, nachdem der königliche Schatz gesichert ist. Caro mit zig Vorbestellungen für ein schwarzes Shirt mit Goldschrift statt der grünen Modelle für Edelfrauen (harharhar), Tine und Susi runden die Gesellschaft ab. Alles fein. Immer noch. Und dann doch bald vorbei. Al verlässt uns und bald auch der 8.8.08. Morgen wartet der hormonelle Nullpunkt nach den letzten, wunderbaren 3 Wochen. Aber noch haben wir den Weg mit Pepes Stadt-Panzer und der geliehenen, fahrbaren Schatztruhe. Noch weitere 60 Minuten.
Dann ist der Countdown vorbei. Das Zepter wird gebettet und die Häupter werden gesenkt. Augen geschlossen und geträumt. Vom nächsten Empfang. Wann und wo auch immer dieser sein mag. Wir sind bereit. Das gilt ab jetzt als bewiesen.
Den wunderschönen Abend haben möglich gemacht:
Al, Caro, Tine, Manuel, Aaron, Astrid und Margot, Danny, Stefan und die gutlaunigen alten Hasen vor und hinter der Bühne, Ulrike, Larissa, Nane und Nena. Danke.
Queenie